Zwei Brüder mit einem heißen Herz für Totholz.
Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie viel Energie man als Gärtner darauf verwendet, Pflanzenschnitt zu entsorgen? Dabei gibt es 3 sehr gute Ideen, um sich die Arbeit zu erleichtern. Fangen wir mit der besten Lösung für Kleinmengen an: Sie gehen jätend durch das Beet, die Schere in der rechten (oder linken) Hand, und statt das Unkraut zur Seite zu legen, schnipseln Sie es an Ort und Stelle mit der Schere klein und lassen es einfach auf dem Beet liegen. In 6-8 Tagen ist es weg. „Chop and Drop“ nennt der coole Engländer das. Also „Abschneiden und Fallenlassen“. Dieses System eignet sich wunderbar für alle sommerlichen Putz-Gänge durch den Garten, ist aber auch sehr nützlich bei Herbstrückschnitten von Stauden. Dann greift man beherzt zu der Heckenschere und schneidet die Stauden einfach Stück für Stück in handbreiten Schnitten runter. Das Schnittgut bleibt an Ort und Stelle liegen. Das schützt den Boden im Winter vor Frost, im Sommer vor Austrocknung und Starkregen. Und das Bodenleben Ihres Beetes ruft laut „Danke“. Dieses System funktioniert mit erstaunlich großen Mengen. Und Sie werden verwundert feststellen, das sich die Menge des Grünschnitts extrem verringert. Aber es gibt Unkraut, das in der Lage ist, auch aus kleinsten Wurzelteilen zu remontieren (Diesteln, Giersch & Co.), oder Stauden, deren Blätter im Verrottungsprozess kompakte Flächen bilden.
Für diese Fälle und für wirklich größere Mengen, wie beispielsweise Laub im Herbst, braucht es dann doch den Kompost. Es gibt natürlich den idealtypischen Komposthaufen – die sogenannte Kompostmiete. In der Regel ist das ein Holz- oder Drahtgerüst, das unten mit Draht verschlossen ist, um Nager fernzuhalten. Aber wir haben die Erfahrung gemacht: Es braucht eigentlich gar nicht unbedingt einen so großen Kompost. Es kann in einem kleinen Garten auch eine Mini-Ecke hinter einem Strauch sein. Solche kleinen Komposthaufen liefern rund ums Jahr kostenfrei beste Erde für Beet und Topf. Sie verstoffwechseln beachtliche Mengen an Grünschnitt und nehmen dem Gärtner das Entsorgungsproblem lächelnd von der Schulter.
Geht es nun aber um wirklich größere Mengen an Grünschnitt und um hartes Schnittgut – also Zweige und Geäst -, dann ist die Benjeshecke eine gute Sache. Natürlich gab es lange bevor die Brüder Hermann und Heinrich Benjes Ende der 1980er Jahre, im Rausch der ersten Ökobewegung, den deutschen Gärtnern den Aufbau von Totholzhecken ans Gärtnerherz legten, schon Hecken dieser Art. Von jeher haben Bauern Totholz zu Hecken um ihre Felder geschichtet. Zum Schutz vor Wind und Frost und schlicht, weil sie es aus der Hand haben wollten. Aber damals gab es dazu noch keine Theorie und keine Untersuchungen. Mit den Benjes-Brüdern änderte sich das. Die Brüder waren interessante Persönlichkeiten. Beide waren Landschaftsgärtner und aktive Naturschützer. Sie beklagten die Verarmung der Naturräume, die die großen Flurbereinigungen der 70er und 80er Jahre mit sich gebracht hatten, und denen unzählige Hecken zwischen den Feldern zum Opfer gefallen waren. Die Benjes-Brüder propagierten die Totholzhecke also eigentlich nicht, damit der Gärtner Schnittgut loswerden konnte. Das Ziel war, in der Landschaft natürliche Hecken zu erzeugen, indem man Äste, Zweige, Reisig durcheinander als Wall locker stapelt. Zwischen dem Totholz sollten sich, von Wind und Tieren verschleppte Samen von unterschiedlichen Sträuchern ansiedeln und geschützt durch den Wall zu Hecken heranwachsen. Diese Hecken wiederum sollten dann Naturräume verbinden und natürliche Habitate für Insekten, Vögel und Kleingetier schaffen. Auch Blätter und lockerer Grünschnitt waren zum Bau der Hecken willkommen. Die Ur-Benjeshecke hatte keine Pfosten zwischen die die Äste geklemmt wurden. Es waren wirklich eher frei gestapelte Wälle aus Geäst. Im Laufe der Zeit stellten die Benjes-Brüder fest, dass die Idee auch den einen oder anderen Haken hatte.
So dauert es relativ lange, bis Sämlinge durch das Totholz kommen und zu Büschen heranwachsen. Und es kommt arg oft vor, dass rabiate Gesellen wie Brombeeren die Hecke übernehmen und dann war es das mit der Pflanzen- und Artenvielfalt. In den späteren Jahren wandelte Hermann Benjes die Idee ein wenig um. Er empfahl nun, in die Hecke gleich kleine Büsche zu pflanzen, um die Bildung der Hecke zu beschleunigen. Das lockere Geäst schützt so die Setzlinge und bietet den Tieren Unterschlupf. Wie auch immer – eine Totholzhecke ist eine super Sache – aber: Nicht jeder Gärtner hat genügend Platz im Garten, um eine große Totholzhecke zu bauen und dauerhaft zu bestücken. Man muss das Ganze aber ja vielleicht auch nicht so eng sehen. Vergessen wir die „Hecke“ aber bleiben wir bei der Idee. Ein Haufen oder ein Heckchen in einem Eckchen. Das passt in so gut wie jeden Garten. Wenn man die Benjeshecke kleinteiliger aufsetzt, dann ist es schlau, einen oder zwei Stäbe in den Boden zu treiben, damit die kleine Konstruktion in Form bleibt, stabil steht und dauerhaft beschickt werden kann. Blätter und Grünschnitt beschleunigen die Verrottung.



