the golden Rabbit

Moose – Winzlinge mit Superkräften.

,Es wird feucht, es wird kalt – Zeit für ein wenig Bryologie! Die Bryologie – vom griechischen bryon, Moos – ist ein Zweig der Botanik, der sich mit der Erforschung und Untersuchung von Moosen beschäftigt. Diese kleinen Pflanzen sind überall, und doch können selbst passionierte Gärtner in der Regel kein Hornmoos von einem Lebermoos unterscheiden. Kaum einer von uns weiß etwas über das eigenartige Leben dieser Pflanzen. Es gibt ca. 24.000 Moosarten weltweit. Moose gehören damit zu der zweitgrößten Pflanzengruppe auf der Welt. Unterteilt werden Moose in drei große Abstammungslinien: Hornmoose, Laubmoose und Lebermoose. Ihnen allen eigen ist ein hochkomplexes Vermehrungssystem, das entweder vegetativ oder sexuell erfolgt und bei dem sich eine geschlechtliche mit einer ungeschlechtlichen Generation abwechselt. Man nimmt an, dass sich Moose sich in grauer Urzeit aus Meeresalgen entwickelt haben. Das älteste, jemals gefundene Moos-Fossil ist ein Lebermoos und ca. 350 Millionen Jahre alt. Moose haben die Dinosaurier kommen und gehen sehen und es ist anzunehmen, dass sie auch uns Menschen kommen und gehen sehen werden. 

Tafel mit verschiednen Lebermoosen von Ernst Haeckel

Moose sind Überlebenskünstler. Sie sind klein, wachsen langsam und sind relativ konkurrenzschwach. Man findet sie deshalb meistens an Orten, die andere Pflanzen unattraktiv finden: auf Felsen, Borken, in Fugen, auf dunklen und nassen Standorten, auf Waldböden. Erstaunlicherweise haben Moose keine Wurzeln, sondern versorgen sich über die Blätter mit Feuchtigkeit und Nahrung. Sie können auch lange Trockenperioden überstehen. Das Moos wird dann einfach trocken – es fällt in eine Art „Untot-Zustand“. Sobald es wieder feucht wird, fängt es wieder an zu leben. Forscher haben unter zurückweichenden Gletschern aus der ersten Eiszeit Moose gefunden, die sich nach der Ewigkeit unter dem Gletscher wieder regeneriert haben. Aber Moos ist auch eine mystische Pflanze. Seit Menschengedenken ranken sich Sagen und Geschichten um Moose. Moos wurde von indigenen Völkern als Babywindel verwendet und im Mittelalter als Klopapier genutzt. Sie dienten im Ersten Weltkrieg als Wundauflage und – kompresse. Mit Moos wurden früher Matratzen gestopft und Boote und Häuser gedämmt. Es wurde als Polstermaterial beim Versand von zerbrechlichen Waren genutzt und als feuchtes Polster beim Transport von Pflanzen zu einer Zeit, als diese noch

Ackerhorn-Moos – Hornmoose (Anthocerotophyta) wurden erst später als eigene Gruppe definiert. C) BerndH

Brunnenlebermoos (Marchantiophyta) -Lebermoose haben eher rundliche Blätter ohne Blattrippe. c) D. Barthel

Laubmoose (Bryophyta) – Laubmose sind in Sprossen und Blättchen gegliedert.

lange unterwegs waren. Moosen wird eine antibakterielle und blutstillende  Wirkung zugeschrieben. Sie galten als zauberkräftig. Im 16. Jahrhundert empfahl der deutsche Botaniker, Arzt und Apotheker Jacobus Theodorus „Moos von Todtenkopff, Muscus ex cranio humano (…) Etliche Medici und Apotheker legen einen Todtenkopff eine zeitlang an einem feuchten Orth, auß welchem endlich ein Mooß herfuer waechst (…) zur Blutstillung“. Das macht man heute nicht mehr – aber es wird wieder intensiv an Moosen geforscht. Die Universtität Freiburg unterhält hierzu eine eigene Abteilung in der zum Beispiel die Arzneitauglichkeit des Kleinen Balsenmützenmoos erforscht. Man ist guter Hoffnung, dass die riesige Welt der steinalten Moose dem Menschen helfen kann, länger zu leben. Moose sind aber auch unglaublich große CO2 Speicher. Wer sich einmal die Mühe macht, sich ein Moos etwas genauer anzuschauen, der wird feststellen: es sind Miniaturwälder. Mit Ministämmen, Miniästen und Miniblättern. Zusammen bilden sie eine gigantische Oberfläche, die CO2 und Schadstoffe binden kann. Es gibt ganze Tierwelten, die nur in Moosen wohnen. Mit anderen Worten: Im Moos viel los! Aber unabhängig von seiner biologischen Nützlichkeit ist Moos auch einfach schön. Es bietet Gärtnern die Möglichkeit auf kleinem Raum und unter den widrigsten Umständen einen zauberhaften Moosgarten zu erschaffen.

Die schönsten Moosgärten liegen ohne Zweifel in Japan. Aber auch hierzulande versuchen sich Moosfreunde an Moosgärten. Zu den schönsten Beispielen gehört der Japanische Garten von Günter Heymans am Niederrhein und der Moosgarten des Ehepaars Ursula und Michael Altmoos im beschaulichen Staudernheim in Rheinland-Pfalz. 

Und wer dann noch wirklich tief, tief, tief und mystisch in den Mooskosmos abtauchen will, der kann sich beim Besuch gleich noch ein wenig Moos-Musik auf die Ohren packen. „Schlaflos im Schlafmoos“ – so heißt der Platte mit 7  Titeln, die Frank Schüßler aka „Hagen von Bergen“ komponiert hat (einfach auf das Bild rechts klicken und reinhören oder direkt beim Künstler kaufen). Die Tracks haben so schöne Namen wie „Schönschnabelmoos“, „Goldhaarmoos“, „Runzelbruder“ oder eben „Schlafmoos“ – das, und hier sind wir wieder am Anfang des Beitrages, von Carl von Linné  so genannt wurde, weil man damals seine Matratzen mit eben diesem Moos zu stopfen pflegte.

Und wenn Sie nun moosverliebt sind: warum nicht ein klein wenig CO2-Ausgleich in Form von Moos leisten? Wir legen für den golden Rabbit schon seit einigen Jahren unsere CO2 Last in Form von MoorFutures still. Es gibt sie leider nicht immer. Aber im Moment haben Sie die geniale Chance zur Vernässung und damit zur Vermoosung des „Grotmoors“ in Schleswig Holstein beitzutragen. Hier geht es zu den MoorFutures.