From China with Love.
Ein europäischer Garten ohne Pfingstrosen – das ist nahezu undenkbar. Die Geschichte dieser großartigen Gartenstaude ist älter, als man vielleicht vermuten würde. Die heimische Gemeine Pfingstrose (Paeonia officinalis) war schon in der Antike als wertvolle Pflanze bekannt und wurde über Jahrhunderte hinweg als Garten- und Heilpflanze kultiviert. Im Mittelalter galt die Pfingstrose als Mittel gegen Gicht. Hildegard von Bingen schrieb in ihren Aufzeichnungen über die Pfingstrose: „Die Paeonie ist feuerfarben und hat gute Wirkung. Sie hilft sowohl gegen die dreitägige wie die viertägige Fieber … Unt wenn ein
Paeonia officinales
Mensch den Verstand verliert, so als ob er nichts wüßte und gleichsam in Ekstase läge, tauche Päoniensamen in Honig und lege sie auf seine Zunge, so steigen die Kräfte der Päonie in sein Gehirn empor und erregen ihn, so dass er rasch seinen Verstand wiedererlangt“. Nun ja, vielleicht sollte man Päoniensamen in Honig heutzutage freiverkäuflich machen …
Aber nicht nur in Europa, auch am anderen Ende der Welt, in China, wurde die Pfingstrose geschätzt und verehrt. In Nordwestchina, Tibet und Bhutan ist die Strauch-Pfingstrose beheimatet. Sie wächst dort in wild in lichten Wäldern und auf Wiesen. Diese Pfingstrosenart (Paeonia suffruticosa) bildet einen lockeren Busch und zieht im Winter nicht ein. Aus der Mongolei, Südsibirien und Nordchina hingegen stammt die Milchweiße Pfingstrose (Paeonia lactiflora). Chinesische Gärtner haben sich die Urformen dieser beiden Pfingstrosenarten schon vor mehr als tausend Jahren vorgeknöpft und mit großem Erfolg begonnen, aus den ursprünglich rot und rosa blühende Pflanzen eine ganze Palette an Blütenfarben zu züchten. Am Kaiserlichen Hof wurde die Schönheit, Grazie und Reinheit der schönsten Züchtungen bewundert und bestaunt.
Diese Verehrung dauert bis heute an. Es gibt eine ganze Reihe chinesischer Dörfer, die jedes Jahr Pfingstrosen-Malwettbewerbe ausrichten. Ganze Dorfgemeinschaften treten in einen Wettstreit, um das Wesen dieser zauberhaften Stauden mit Tusche so perfekt wie möglich auf Papier zu bannen.
Aber zurück in die Vergangenheit: Weil schöne Dinge stets ihren Weg in die Welt finden, kaufte im Jahr 1787 ein gewisser John Duncan, ein wissenschaftlich gut vernetzter Arzt, der für die Britische Ostindien-Kompanie in Kanton arbeitete, einige Pfingstrosen Exemplare und ließ sie per Schiff nach England senden. Empfänger war niemand Geringeres als Sir Joseph Banks, der berühmte Naturforscher und Teilnehmer der ersten Südsee-Expedition von James Cook. Banks prägte über Jahrzehnte die Arbeit der Royal Botanic Gardens in Kew und machte seinen Einfluss geltend, um Pflanzen aus aller Welt nach Großbritannien zu bringen. In London sorgten die prachtvollen Neuankömmlinge für einiges Aufsehen und lösten einen veritablen Päonienboom aus.
Die brave alte europäische Gartenphäonie hatte erst einmal ausgedient. Wie wild wurden unterschiedliche Arten gekreuzt und vermehrt. Sie wurden nach Blütenform, Blütenfarbe und Duft optimiert. Es gab in den nun folgenden Jahren eine Handvoll legendäre Pfingstrosenzüchter. In Frankreich waren es Nicolas Lémon (1787 – 1837), Jacques Calot (aktiv ca. 1857) , Victor Lemoine (1823 – 1911), Auguste Dessert (1859 – 1929) und Félix Crousse (1840 – 1925). In den USA John Richardson (1798 – 1887), A. P. Saunders (1869 – 1953), den wir im Video unten dabei beobachten können, wie er Pfingstrosenblüten zerfleddert, und natürlich Louis Smirnow. Zu dem wir aber später noch kommen …
Einen absoluten Ehrenplatz in der Päonien-Loge hat jedoch ein Japaner inne: Dr. Toichi Itoh. Er war ein Pfingstrosenzücher aus Tokio. Man weiß nicht allzu viel von ihm – es gibt weder Fotos noch gesicherte Lebensdaten. Aber was ganz sicher ist: Ihm gelang, was kein Züchter vorher je geschafft hatte! Er kreuzte erfolgreich eine Staudenpfingstrose mit einer Strauchpfingstrose. Sein Ziel war es, die Vorzüge der eher krautigen, starkwüchsigen Paeonia lactiflora mit dem großen Farbspektrum der Strauchpfingstrose Paeonia suffruticosa zu verbinden. Das war alles andere als trivial, gehören beide doch zu unterschiedlichen Sektionen der Gattung Paeonia.
Die Itoh-Pfingstrosen verhalten sich weitgehend wie Staudenpfingstrosen. Sie bilden jedoch in der Regel keinen dauerhaft verholzten, oberirdischen Strauch. Sie ziehen im Winter ein und treiben im Frühjahr wieder aus. Botaniker bezeichnen sie daher als „Intersektionelle Hybriden“. Toichi Itoh starb 1956. Seine Sämlinge hatten zu diesem Zeitpunkt noch nicht geblüht. Erst 1964, acht Jahre nach Itohs Tod, blühten die Pflanzen. Die Sorten „Yellow Crown“, „Yellow Emperor“, „Yellow Dream“ und „Yellow Heaven“ sind aus diesen Linien entstanden. Sie sind, wie der Name schon verrät, alle Gelb – die Armen. Damals eine Sensation, fallen sie heute unter die „Ich-vermeide-Gelb-im-Garten“-Phobie.
Yellow Emperor Yellow Crown Yellow Heaven Yelllow Dream
Mit Itohs Tod hätte diese, schon ziemlich schöne Geschichte enden können. Seine Züchtungen wären unbekannt geblieben und hätten im Garten der Familie Itoh vor sich hingeträumt. Aber so kam es nicht: Die Familie von Dr. Toichi Itoh verkaufte die Pflanzen und die Rechte an der Kreuzung nach Amerika an den Phäonienliebhaber und Händler Louis Smirnow. Dieser entwickelte die Pflanzen voller Elan weiter. Unzählige Züchtungen von Intersektionellen Hybrid-Pfingstrosen gehen auf ihn zurück. Zu Ehren Toichi Itohs werden Intersektionelle Hybrid-Pfingstrosen heute meist Itoh-Pfingstrosen genannt. Das ist sehr nett und hört sich auch viel schöner an.
Von dem allgemeinen Pfingstrosen-Hype haben indes alle Pfingstrosensorten profitiert. Bis heute wurden nicht mehr und nicht weniger als 7.400 Sorten bei der American Peony Society gelistet. Es ist nicht so ganz einfach die unterschiedlichen Pfingstrosenarten sauber voneinander zu trennen. Es gibt zahlreiche Untersorten – das bis in das Detail zu verfolgen ist eine Wissenschaft für sich. Aber man kann es, wenn man locker mit den botanischen Einzelheiten umgeht, vielleicht so zusammenfassen:
Das Rhizom:
Päonien werden als Rhizome verkauft. Oder, korrekter gesagt: als „Speicherwurzel mit Austriebsknospen“. Das heißt, Sie erhalten beim Kauf einer wurzelnackten Päonie einen Teil des Wurzelsystems einer im September geernteten Pfingstrose. Die Wurzeln werden sorgfältig von Hand in kleinere Stücke gebracht. Wir verkaufen Pfingstrosen mit drei bis fünf Augen. Das ist eine sehr gute Qualität. Im Handel findet man auch oft kleinere Stücke. Das ist im Prinzip kein Problem – die Pfingstrose braucht dann ein wenig länger, bis sie kräftig genug sind, um zu blühen. Aus den Augen treiben im Frühjahr die frischen Triebe. Rhizome finden es in der Erde am schönsten. Lassen Sie die Wurzeln deshalb nicht so lange liegen sondern pflanzen Sie sie am besten direkt. Die Augen sollten beim Pflanzen nach oben zeigen. Nur knapp mit Erde bedecken.
Seien Sie nett zu Ihren Pfingstrosen:
* Pfingstrosen stehen gerne sonnig bis leicht halbschattig. Ideal sind 5 – 6 Stunden Sonne am Tag.
Zu viel Schatten führt zu weniger Blüten.
* Für wurzelnackte Päonien ist der Herbst die beste Pflanzzeit. Die Zeit von September bis November ist ideal.
* Der Boden sollte durchlässig und nährstoffreich sein. Staunässe vertragen Pfingstrosen nicht dauerhaft.
* Pflanzen Sie die Rizome nicht zu tief. Die Augen/Knospen sollten nur wenige Zentimeter mit Erde bedeckt sein.
* Pflanzen Sie Pfingstrosen nicht auf einen Platz auf dem vorher schon Pfingstrosen standen.
* Geben Sie Raum! Eine Päonie braucht ca. 80 bis 100 cm Platz.
* Päonien mögen keinen Wurzeldruck – gönnen Sie ihnen ein störungsfreies Umfeld.
* Nach dem Pflanzen gut angießen.
* Verwöhnen Sie Ihren Päonien großzügig mit Kompost.
* Spendieren Sie schweren Blüten eine Staudenstütze.
Und am allerwichtigsten:
*Haben Sie Geduld! Eine frisch gepflanzte Päonie braucht oft ein, zwei oder auch drei Jahre bis sie sich vollständig etabliert hat. Denken Sie an Itoh-san.
Werden Sie zum Päonien-Sammler ….
Päonien brauchen ein wenig Platz und einen guten Standort. Dieser will wohl überlegt sein. Päonien entwickeln sich recht spät und können sehr gut zusammen mit Tulpen und Narzissen stehen. Sie haben kein Problem mit Unterbepflanzung und mögen Frauenmantel, Geranium und Co. Auch Giersch ficht sie nicht wirklich an. Und warum sollte nicht am Kopf eines Gemüsebeetes nicht einmal eine dicke Pfingstrose sitzen? Nach der Blüte stehen sie im grünen Kleid bis zum Herbst und bringen Höhe und Struktur in das Beet. Lassen Sie Ihren Blick über Ihren Garten streifen. Nach und nach werden Ihnen jede Menge tolle Päonien-Pflanzplätze auffallen.
Wir bieten Ihnen jedes Jahr im Herbst eine kleine Auswahl von 5 Päonien an. Jede Saison fünf neue Schönheiten. So kann Ihre Päoniensammlung langsam vor sich hinwachsen…


