the golden Rabbit

Die fünf apokalyptischen Eisreiter …

Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die Kalte Sophie: Von den Eisheiligen hat wohl jeder Gärtner schon gehört. Aber wissen Sie auch, was es mit diesen Fünfen wirklich auf sich hat?

Mamertus

Fangen wir ganz vorne an. Mit dem Begriff „Eisheilige“, auch „Die gestrengen Herren“ oder „Eismänner“ genannt, wird ein Wetterphänomen beschrieben, das mitten im heiteren, warmen Mai über einen Zeitraum von drei bis zehn Tagen überfallartige Kälteeinbrüche, oft mit Nachtfrösten, mit sich bringt. Meteorologisch ist dieser Kälteeinbruch leicht zu erklären. Die Sonne steigt im Mai höher und das Festland erwärmt sich recht schnell. Das Meer kann da nicht mithalten. Es erwärmt sich deutlich langsamer. Es kommt zu einem großen Temperaturgefälle zwischen Land und Meer. So entstehen Tiefdruckgebiete. Die warme Luftmasse des Festlands zieht nach Norden und presst im Gegenzug aus dem nördlichen Polarkreis eisige Luftströmungen zurück über die blühende und grünende Mai-Welt. Diese Wetterkonstellation tritt jedes Jahr recht zuverlässig auf. Aber nicht immer zur gleichen Zeit und auch nicht immer gleich lang.

So variiieren die Eisheiligen zum Beispiel zwischen Hamburg und Bayern deutlich. Während im Norden Deutschlands in der Regel  fünf Eisheilige dem Gärtner das Blut gefrieren lassen, sind es in Bayern nur drei. Das liegt daran, dass sich die Kälte meist von

Pankratius

Servatius von Tongeren

Bonifatius von Tarsus

Norden nach Süden ausbreitet. Das heißt, sie kommt im Mai im Norden einfach früher an als im Süden. Die schlauen Bauern haben diese kritischen, kalten Tage im Mai sehr geschickt an Gedenktage bekannter Heiliger geknüpft. An Mamertus, einen katholischen Bischof, der um 400 nach Christus in Lyon geboren wurde. Er galt als Universalgelehrter und es werden ihm einige Wunder zugesprochen. So soll er eine Feuersbrunst gestoppt haben und bei großen Dürren hilfreich sein. Sein Todestag ist der 11. Mai. Der erste Tag der fünf Eisheiligen. Der zweite Eisheilige ist Pankratius. Der Legende nach ein junger Mann aus adliger Familie, gottesfürchtig und an einem 12. Mai in Rom wegen seines Glaubens enthauptet. Sie sehen, die Eisheiligen sind schon immer mit Tod und Verderben verbunden. Seien Sie also froh, wenn während der Eisheiligen nicht Ihr Hals, sondern nur Ihr Salat über die Klinge springt. Der dritte Eisheilige ist ebenfalls ein Mann: Servatius. Er lebte 340 bis 384 nach Christus und war der Legende nach Bischof des Bistums Tongeren in Belgien (übrigens eine schöne Stadt um dort zu übernachten wenn man das Gartenfestival in Hex besucht 5, 6.und 7. Juni 2026  https://www.hex.be/de/). Er soll den Einfall der Hunnen nach Europa vorhergesagt haben. Zum Dank wurde er (so erzählt man sich) an einem 13. Mai mit einem Holzschuh erschlagen und in Maastricht begraben. Man bemüht seinen Beistand bei Frostschäden, Fußkrankheiten und Rattenplagen.

Der vierte im frostigen Bund ist Bonifatius von Tarsus – kurz Bonifatius genannt. Bonifatius, selber kein Christ, war eine Art altrömischer Kurierfahrer. Er wurde beauftragt, einige Reliquien christlicher Märtyrer aus der Region um Tarsus in der Türkei zurück nach Rom zu bringen. In Tarsus angekommen, erlebte er die Christenverfolgung und ließ sich, beeindruckt von der Glaubenstreue der dort gefolterten Christen, ebenfalls taufen. Das ist ihm nicht gut bekommen. Er wurde von den Schergen des Kaisers Galerius mit siedendem Pech hingerichtet. Vermutlich an einem 14. Mai, denn das ist der Eisheiligen-Tag, für den er steht.

Und wer weiß, vielleicht gab es schon früher eine Art ungeschriebene Frauenquote, denn der fünfte und letzte Eisheilige ist eine Sie: Sophia von Rom – unter Freunden die Kalte Sophie. Über sie ist nicht viel bekannt, außer dass sie vermutlich im Jahr 304 n. Chr. als frühchristliche und jungfräuliche Märtyrerin starb. An einem – Sie ahnen es – 15. Mai. Es gab in dieser grauen Vorzeit Lebensentwürfe, die sich doch sehr von den heutigen unterscheiden.

Wenn die Kalte Sophie vorbei ist, so die Bauernregel, wird das Wetter stabiler und die Wahrscheinlichkeit von Frösten nimmt deutlich ab. Merkfähig im Reim verpackt: „Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie ganz vorüber ist“

Der schlaue Gärtner aber ist gut beraten, nicht nur auf den Kalender zu schauen, sondern auch einmal die Nase in den Wind zu stecken und einen Blick in den Himmel zu werfen. 

           Sophia von Rom

Weil aber das Weltklima keinen Kalender besitzt, verrutschen die Eisheiligen schon einmal um ein paar Tage nach hinten oder vorne, und ab und an fallen sie sogar ganz aus. Denn alte Bauernregeln sind das Eine – schnöde Wissenschaft ist etwas vollkommen anderes: Rein statistisch fand das Wetterphänomen „Eisheilige“ in den letzen 100 Jahren ca. 39 Mal statt. Im Umkehrschluss heißt das: Der Salat hat 61 Mal Glück gehabt! Das ist doch eine faire Chance.