Eine kleine Geschichte über Duftwicken:
Duftwicken gehören ganz sicher zu den zauberhaftesten Gartenbewohnern überhaupt! Es gibt sie in unzähligen Farben und Formen. Sie füllen den Garten mit einem weichen, warmen Duft und erobern mit ihrem unbezähmbaren Wachstum Zäune und Rankgitter. Tatsächlich aber ist die Duftwicke (Lathyrus odoratus) in unseren Gärten noch gar nicht so lange heimisch. Der Siegeszug der Duftwicken begann, so erzählen die Botaniker, im Jahr 1695 auf Sizilien. Dort lebte Francesco Cupani (1657 – 1710), ein Franziskanermönch, der sich der Medizin, Theologie und der Botanik verschrieben hatte. Cupani legte im Auftrag des Herzogs Giuseppe del Bosco Sandoval im Kloster von Santa Maria di Gesù in der Nähe von Misilmeri bei Palermo einen der ersten Botanischen Gärten Europas an. Für diesen Garten sammelte und katalogisierte Cupani unzählige Pflanzen. Unter anderem auch die „Ur-Duftwicke“. Er tauschte das Saatgut mit seinen Botanikerfreunden. Diese „Ur-Duftwicke“ trägt ihm zu Ehren seinen Namen: „Cupani“!
Francesco Cupani Botanischer Stich der „Cupani“ und „Cupani“ Henry Eckford
Henry Eckford: Der Vater der britischen „Sweet-Pea-Madness“
Um das Jahr 1699 herum erreichten die ersten Duftwickensamen die botanischen Sammlungen in England und eroberten ihren Platz in den privaten Gärten der Insel. Diese frühen Duftwickensorten haben eher kleine Blüten mit wenigen Farbvarianten, an kurzen, gewundenen Stängeln, sie zeichnen sich aber durch einen sehr starken Duft aus. Wenn Sie heute eine Duftwickensorte finden, die den Zusatz „Old Fashioned“ trägt, dann ist es eine Duftwicke, die vor 1914 gezogen wurde. Ein direkter Nachfolger von „Cupani“: Kleine Blüte, starker Duft! Aber zurück nach England. Dort entwickelte sich in aller Stille eine Art „Sweet-Pea-Hype“. Einige Züchter begannen, auf Basis von „Cupani“ zu züchten, und es gelangen ihnen zauberhafte Sorten: „Painted Lady“ und „Pale Red“ waren zwei davon. Aber noch im Jahr 1800 waren in London nur 10 unterschiedliche Duftwickensorten auf dem Markt. Das sollte sich ab 1880 schlagartig ändern. Denn die Duftwicke fand ihren Meister: Henry Eckford, ein englischer Gärtner, begann, die alten Sorten zu selektieren und weiter zu züchten. Er konzentrierte sich auf große Blüten an langen Stängeln mit einem breiteren Farbspiel. Man kann wohl mit Fug und Recht sagen: Mit Mr. Eckfords Züchtungen begann die englische Duftwicken-Madness. Henry Eckford züchtete nicht weniger als 264 Wickensorten, von denen er stolze 115 auf den Markt brachte. Ein riesiger Teil der heute erhältlichen Sorten geht auf ihn zurück. Diese Sorten haben in der Regel große Blüten, längere und gerade Stängel und einen schönen Duft. Man nennt sie der großen Blüten wegen „Grandifloras“.
Der „Crystal Palace“ in London Duftwicken Wettbewerb in Westminster, 1908
Eine Bühne für die Schöne!
Aber nicht nur Eckford züchtete. Ganz England züchtete wie wild. Duftwicken waren die hippsten Gartenbewohner überhaupt. Gärtner schlossen sich zu Sweet-Pea-Vereinen zusammen und veranstalteten Wettbewerbe um die beste Züchtung. Im Jahr 1900 schließlich – anlässlich des 200. Jahrestages der Einführung der Duftwicke in England – fand im legendären „Crystal Palace“ in London eine riesige Duftwickenausstellung statt. Der Publikumsandrang war enorm. Der Erfolg dieser Ausstellung führte direktemang zur Gründung einer eigenen Organisation, die sich nun hochoffiziell um die Züchtung, Verbreitung und Ausstellung von Sweet Peas in England kümmern sollte. Et voilà – die „National Sweet Pea Society“war geboren. Sie ist bis heute die Instanz in Sachen Duftwicken.
Dürfen wir vorstellen: die ehrenwerten Mitglieder der National Sweet Pea Society. Da sage noch jemand, Blumen seien etwas für Frauen!
Und was sind nun Spencers?
Mitten in dem Duftwicken-Hype entdeckte der Head Gardener des Earl Spencer (ja, einem Vorfahren der unglücklichen Prinzessin Lady Di) eines Tages eine seltsame Mutation an einer Wicke. Die Blütenblätter waren nicht glatt, sondern leicht gewellt. Sehr hübsch, wie er fand. Er beschloss, mit dieser Wicke als Basis weitere Sorten mit gewellten Blütenblättern zu züchten. Damit war die dritte Gruppe der Duftwicken geboren: Die „Spencers“. Duftwicken dieser Gruppe zeichnen sich durch wunderschöne, große, hübsch gewellte und farbenprächtige Blüten aus. Allerdings duften „Spencer“ in der Regel nicht so stark. Man kann eben nicht alles haben!
Eine „Old Fashion“ Sorte Ernsthafte Wickenzüchter bei der Arbeit Eine „Spencer“ Sorte
Sweet Pea Wettbewerbe – eine Welt für sich.
Die große Ausstellung im Jahr 1900 im Crystal Palace war nur der Auftakt. Seit damals veranstaltete die National Sweet Pea Society jährlich große Duftwicken-Ausstellungen. Auf diesen Ausstellungen werden die schönsten Züchtungen und neuen Sorten prämiert. Die Präsentation der Wicken unterliegt einem strengen Reglement. So sind die Vasen, die Anzahl der präsentierten Blütenstängel und die Anordnung jedem Aussteller vorgegeben. Eine Jury aus Duftwicken-Fachmännern und Duftwicken-Fachfrauen inspizieren die Blüten und stecken ihre Nasen in die Sträuße. Es gibt Klassen für Blütenfarbe und Duft. Es macht übrigens großen Spaß, Mitglied in der National Sweet Pea Society zu werden – das kann man auch als „German“.
Zeitungsbericht über Mrs. Fraser Duftwicken-Display bei einem Sweet Pea Wettbewerb
Reich werden mit Duftwicken?
….kann man heute vermutlich nicht mehr. Wir kennen einige Züchter aus England, die ihre Firmen geschlossen haben. Der Brexit macht das Geschäft nicht einfacher. Aber im Jahr 1911, auf dem Höhepunkt der Duftwicken-Manie, konnte man das sehr wohl. Denn in diesem Jahr kam Lord Northcliff, der Gründer der Zeitschriften „Daily Mail“, „Daily Mirror“ und „The Times“, auf eine geniale Marketingidee. Er lobte die unglaubliche Summe von 1.000 Pfund für den schönsten Duftwickenstrauß des Landes aus. 1.000 Pfund waren im Jahr 1911 enorm viel Geld. Ein schönes Haus kostete etwa 300 Pfund. Ein durchschnittlicher Arbeiter hätte für diese Summe 14 Jahre arbeiten müssen. Kein Wunder also, dass die Einsendungen jede Erwartung sprengten. Es wurden über 38.000 Sträuße eingesendet. Teilweise wurden sie mit dem Zug aus fernen Teilen Englands geschickt. Schlussendlich wurden 2.500 Sträuße ausgestellt. Bewertet wurden sie nach Stiellänge, Größe der Blüte, Gleichmäßigkeit des Erscheinungsbildes, Farbe und Frische. Zeitungen (vermutlich Lord Northcliffs eigene) berichteten über lange Schlangen von Besuchern und darüber, dass der Duft der Sträuße das ganze Viertel flutete. Gewonnen hat den Wettbewerb Mrs. Fraser, eine freundliche Amateurgärtnerin aus Sprouston in Schottland. Mrs. Fraser war die Gattin des dortigen Dorfpfarrers. Beide investierten das Preisgeld in die Renovierung der Dorfkirche, die bis heute „Sweet Pea Kirk“ heißt.
Wenn Sie nun auch ohne finanzielle Anreize Duftwicken säen möchten, können wir Ihnen die folgenden Hilfsmittel empfehlen:
Und natürlich müssen Sie unbedingt in unsere schöne Duftwicken-Auswahl schauen – es kommen immer wieder neue Sorten hinzu:
Lernen von den Besten!
Wir sind große Fans des britischen Duftwickenzüchters „English Sweet Peas“. Phil Johnson, der Kopf hinter dieser Nursery hat vor einigen Jahre den legendären Betrieb von Roger Pearsons übernommen. Einem „Duftwicken-Papst“. Phil ist auch der Autor des großartigen Buches “ A World of Sweet Peas“. Natürlich ebenfalls im Golden Rabbit zu finden. Und er hat einige sehr schöne Filme gedreht in denen er zeigt, wie man Duftwicken am allerbesten und einfachsten anbaut. Schauen Sie hier:









