the golden Rabbit

Wir lieben japanisches Gartenwerkzeug: warum?

Wir sind, liebe Gärtner und Gärtnerinnen, noch ein klein wenig erschöpft. Denn in den letzten Tagen haben wir uns durch ein Gebirge von wundersamen Kartons gearbeitet. Wir waren auf einer zügellosen Einkaufstour quer durch Japan und haben so viele großartige neue Werkzeuge für Sie eingekauft. Jetzt, vor Glück noch leicht betrunken am Rechner sitzend, fragen wir uns, ob wir Ihnen eigentlich jemals genau erzählt haben, warum unser Herz so sehr für japanisches Gartenwerkzeug schlägt. Haben wir nicht! Das holen wir heute nach. Es regnet draußen, der Garten ist glücklich, Ablenkung ist nicht zu erwarten, ideale Voraussetzungen für das Erzählen einer kleinen Geschichte …

桜切る馬鹿、梅切らぬ馬鹿
Ein Narr beschneidet die Kirsche, ein Narr beschneidet die Pflaume nicht.*

*Alte japanische Gartenweisheit

道具に使われるな – Lass dich nicht vom Werkzeug benutzen

Fangen wir ganz vorne, eher im Feinstofflichen, an: In der traditionellen japanischen Gartenkultur, die bis heute sehr lebendig ist, werden Werkzeuge als Verlängerung des Körpers und als Mittel zur Schärfung der Wahrnehmung des Gärtners gesehen. Japanische Gärtner vertreten die Meinung: Ein guter Garten entsteht nicht durch bessere Maschinen, sondern durch bessere Beobachtung. Es gilt die Regel: Das Werkzeug dient dem Baum, nicht dem Gärtner. Der erfahrene japanische Gärtner betrachtet zuerst den Baum, den Strauch oder die Staude. Er überlegt, wie die Pflanze nach dem Schnitt aussehen soll. Erst dann wird geschnitten. Das Werkzeug folgt also der Beobachtung, nicht umgekehrt. Das ist auch der Grund, warum in Japan motorisierte Werkzeuge, ganz anders als bei uns, einen geringeren Status haben. Nicht weil sie per se nutzlos oder schlecht sind, sondern weil sie eine Eile erzwingen und eine Distanz zwischen dem Gärtner der Aufgabe schaffen, die einem optimalen Ergebnis oft abträglich ist.

道具を見れば庭師がわかる – Am Werkzeug erkennt man den Gärtner

In der japanischen Handwerkstradition gibt es eine tiefe Achtung vor Werkzeugen, die lange und gut dienen. Saubere, geordnete, scharfe Werkzeuge gelten als Ausdruck von Respekt und Haltung den Dingen gegenüber. Dabei verwenden japanische Gärtner in der Regel wirklich erstaunlich wenige Werkzeuge und kommen mit sehr kleinen Werkzeugtaschen aus: Eine Schere, eine Heckenschere, ein Haumesser, eine Säge, ein Messer, ein halblanger Rechen, eine Sichel, ein Besen – das war es auch schon. Diese wenigen Werkzeuge aber, sind von hoher Qualität und werden mit Passion gepflegt. Japanische Gärtner verstehen die Pflege des Werkzeugs als Teil der Gartenarbeit.

職人の姿勢について – Von der Haltung des Handwerkers

Die Achtung vor dem Wert der Dinge spiegelt sich in der Arbeit der vielen kleinen japanischen Scherenschmieden und Werkzeughersteller wider. Die Betriebe werden oft in dritter oder vierter Generation geführt, sie haben meist nur eine Handvoll Angestellte und wenn man vor den Schmieden steht, mag man kaum glauben, dass in diesen windschiefen, kleinen, dunklen, fast vorindustriell anmutenden Werkstätten Scheren geschmiedet werden, wie es sie in dieser Qualität auf der Welt nur noch sehr wenig gibt. Fragt man die Meister an der Esse, was sie antreibt, hört man oft den Begriff „誠 – Makoto =  Aufrichtigkeit“. Für Zyniker mag das eigenartig und pathetisch klingen, aber für diese Traditionshandwerker gilt:  „Mache jede Schere so gut, wie sie gemacht werden kann. Nicht für den Ruhm der Schmiede, nicht für den Profit, sondern weil das aufrechte Handeln, das gute Handwerk, es so verlangt“. Eine Haltung, die bei uns leider ein wenig unter die Räder gekommen ist.

地金が支え、鋼が切る – Das Grundmetall trägt, der Stahl schneidet

Japanische Scheren sind in der Regel aus Kohlenstoffstahl und nicht aus Edelstahl gefertigt. Edelstahl hat einen hohen Chromanteil, das verhindert das Rosten, geht aber auf die Qualität der Klinge. Kohlenstoffstahl lässt sich extrem fein ausschleifen. So entstehen Klingen, die scharf, weich und sauber schneiden und sich leicht nachschleifen lassen. Eine japanische Klinge wird oft aus drei Schichten geschmiedet. Der harte Kern aus hochwertigstem White Paper- (Shirogami) oder Blue Paper-Stahl (Aogami) bildet die Schneide. Beidseitig wird dieser Kern von zwei weichen Metalllagen flankiert, die für die Elastizität und Stabilität der Klinge sorgen. Aber nicht nur die Güte des Stahls,

auch die Form der Klingen unterscheidet sich von der westlicher Gartenscheren. Die Klingen sind so geschmiedet und geschliffen, dass sie sich beim Schneiden nicht über die gesamte Länge berühren, der Schmied möchte möglichst wenig „Stahl auf Stahl“. Hält man eine japanische Schere gegen das Licht, kann man einen feinen Spalt zwischen den beiden Klingen sehen. Beim Schnitt wandert der Kontaktpunkt der Klingen. Der eigentliche Druck entsteht immer nur an einer winzigen Stelle. Das Ergebnis: weniger Reibung, weniger Kraftverlust, saubere Schnitte.

速さは目的ではない – Schnelligkeit ist nicht das Ziel

Der deutsche Gärtner greift oft zur Heckenschere weil er mit der langen Klinge eine große Fläche schnell schneiden möchte. Man möchte in erster Linie „entfernen“. Japanische Heckenscheren sind für das „Gestalten“ gemacht. Ihre Klingen und die dazugehörige Länge der Griffe sind fein auf die Arbeit abgestimmt, die sie ausführen sollen. Es wird in der Schmiede extrem viel Wert auf die Balance der Schere gelegt. Auch wenn die japanischen Heckenscheren recht schwer sind, sollen sie der Hand leicht erscheinen. Die Schmiede sagen zu diesem Idealzustand „Sie wächst an die Hand“. Es benötigt ein wenig Übung mit diesen Scheren richtig zu schneiden. Denn wie japanische Sägen auch, arbeiten diese Heckenscheren „auf Zug“. Das heißt, im Moment des Schnitts bewegt sich die Hand des Gärtners leicht nach hinten. Das Schnittgut wird, während sich die Klinge schließt, über die Schnittfläche gezogen, dabei verteilt und ohne Stauchung und größeren Druck geschnitten. Das ist auch der Grund, warum die meisten Heckenscheren lange Klingen haben. Die Klingen guter langer Heckenscheren sind leicht gebogen, oft ist die Klinge innen ein wenig ausgehöhlt. Es gilt: Überlegen Sie, wofür die Schere eingesetzt werden soll und wählen Sie das Modell, das diese Aufgabe geschmiedet wurde. Übrigens: Der lange Griff der Scheren ist ein Vorschlag. Eine Heckenschere muss nicht immer am hinteren Teil des Griffes gefasst werden.

実用性こそが美しさである – Nützlichkeit ist Schönheit

Alles, was wir Ihnen nun über japanische Scheren erzählt haben, kann man so getrost auf andere japanische Werkzeuge übertragen. Sicheln, Hacken und Haumesser, sie alle folgen, wenn sie denn aus guten Werkstätten kommen, den gleichen Prinzipien. Eine Sonderstellung im japanischen Werkzeugkasten nehmen sicherlich Sägen ein. Denn in Japan wird im Garten sehr gerne gesägt. Wo wir Langnasen versuchen unsere Schere mit maximaler Kraft und zusammengebissenen Zähnen durch Äste mit 3 cm Durchmesser zu quälen, da greift der schlaue japanische Gärtner fix zur Säge. Das ist gut für den Ast und gut für die Schere. Japanische Sägen arbeiten ebenfalls „auf Zug“. Die Sägezähne sind optimal gewinkelt, das Material des Sägeblattes ist so hart wie nötig und so dünn und elastisch wie möglich. Ich rate jeder Gärtnerin und jedem Gärtner zu einer japanischen Säge. Das Sägen ist sehr intuitiv und geht ohne Klemmen und Fluchen in Sekunden glatt von der Hand. Neu im Sortiment haben wir die oben fotografierte großartige lange Baumsäge. Ausgeklappt ist diese Säge satte 130 cm lang. 

見て、決めて、切る – schauen, entscheiden, schneiden

Scheren dieser Art gibt es bei uns eigentlich selten im Garten. Es gibt noch nicht einmal ein sauberes Wort dafür. Nenne ich sie „Gartenscheren“ dann denkt man an die klassische Rosenschere mit Feder. Nenne ich sie „Blumenschere“, dann vermutet man, dass mit dieser Schere nur Blümlein geschnitten werden können. Aber: Japanische Gartenscheren sind echt robust. Man kann mit ihnen Gemüse und Obst ernten, Kräuter, Stauden und Rosen schneiden, natürlich auch Blumen! Das Auffälligste an japanischen Gartenscheren dieser Art ist die fehlende Feder. Die Hand muss die Schere selber öffnen – das verlangsamt den Vorgang des Schnittes entscheidend und sorgt für eine interessante Konzentration bei der Arbeit. Wir haben viele neue Scherenmodelle auf Lager genommen. Eines schöner als das andere. Und es warten in unserem Shop sehr interessante, neue Blumenhalter auf Sie! „Shippo“ helfen, Zweige und schwerere Blüten in Gestecken oder Vasen zu stabilisieren. Ideal für eigentlich so gut wie alle Sträuße in Vasen, man muss sich nicht zu Ikebana-Gestecken aufschwingen … Aber warum dies nicht einfach einmal ausprobieren?

月に叢雲、花に風 – Zum Mond die Wolken – zu den Blüten der Wind

Nun haben wir Ihnen einen ganzen Blog lang das hohe Lied der japanischen Qualität gesungen. Zeit, ein wenig Salz in die Suppe zu streuen! Auch an Japan geht die Globalisierung nicht spurlos vorbei. Nicht jedes Werkzeug, das im Markt als „japanisch“ verkauft wird, kommt auch wirklich aus einer japanischen Schmiede. Das geht schon rein aus Kapazitätsgründen nicht. China und Taiwan sind die Werkbänke Japans geworden. Kaufen Sie also nur bei Händlern Ihres Vertrauens – ich kenne da zufällig einen wirklich guten. Haben Sie schon einmal auf die Website des Golden Rabbitgeschaut?